Nachhaltigkeit in der Hospizarbeit: Ein interview mit gesine höhn

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der täglichen Arbeit eines Hospizes? Ein Gespräch mit der Geschäftsführerin des Hospizes am Drachenkopf, Gesine Höhn (2. v.l. im Bild). Seit 2020 leitet sie als Geschäftsführerin das Hospiz in der Eberswalder Erich-Mühsam-Straße 17.
 
Bei der Hospizarbeit denkt man im ersten Moment nicht an eine Verbindung zu den Nachhaltigkeitsthemen der zukunftswoche2021. Dennoch gibt es sie…
Gesine Höhn: Das stimmt! Im Zentrum unserer Arbeit steht in erster Linie die Betreuung unserer Gäste und das Ziel, ihnen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Dennoch sind wir eine Institution, wenngleich als gemeinnütziger Verein kein wirtschaftlich tätiges Unternehmen, die auch ihr tägliches Handeln auf den Prüfstand stellen möchte, um im Sinne der Nachhaltigkeit zu agieren. Der kontinuierliche Blick auf unser Tun und über den Tellerrand hinweg gehört zu unserem ganzheitlichen Arbeiten.
 
Was sind die Dimensionen Ihres nachhaltigen Handelns?
Gesine Höhn: Ich bezeichne zum Beispiel unseren Garten hinter dem Hospiz als Ort der Nachhaltigkeit. Wir lassen hier der Natur ihren Lauf und gestalten ihn mit den vorhandenen Ressourcen. Das ist in unserem Fall viel Wasser. Dieses ist Grundlage für einen Teich und die Pflanzen, die sich an diesem feuchten Standort wohlfühlen. In Hochbeeten (von der Stadt Eberswalde gefördert und der Lebenshilfe Barnim e.V. gebaut) bauen wir Gemüse und Kräuter an, die in unserer Küche Verwendung finden. Wir kochen zudem hauptsächlich frisch und mit regionalen Produkten, die wir bei lokalen Händlern einkaufen. Außerdem haben wir ein wunderschönes Insektenhotel und seit dem Sommer 2021 drei Bienenvölker, die uns von einem unserer Ehrenamtlichen gestiftet wurden und nun hauseigenen Hospizhonig produzieren.

Noch viel wichtiger ist uns aber die soziale Nachhaltigkeit. Wir beschäftigen 30 Mitarbeiter*innen in der ambulanten und stationären Pflege/Betreuung und engagieren uns in der Aus- und Fortbildung unserer Pflegenden. Wir erleben immer wieder, dass die Pflegeberufe mit mangelnder Wertschätzung zu kämpfen haben. Dagegen möchten wir ein Zeichen setzen. Wir leben einen offenen Austausch mit den Pflegenden und ihren Bedürfnissen, woraus beispielsweise der Impuls zur Teilnahme am JobRad-Leasing kam. Mittlerweile nutzen 13 Kolleg*innen dieses Angebot und fahren nun auch klimafreundlich durch den Barnim. Auch die regionale Verbundenheit gehört zu unserem Selbstverständnis. Wir arbeiten, wo es möglich ist, mit regionalen Partnerfirmen zusammen und kooperieren mit anderen regionalen Projekten wie dem Verein Uckermark gegen Leukämie e.V. ( Veranstalter „Benefiz fürs Hospiz“ und Wunscherfüller für letzte Wünsche), Sternenkinder e.V.  (Verein zur Unterstützung von Familien, die ein Kind verloren haben) oder Eisenherz e.V. (Verein zur Unterstützung verwaister Kinder). Wir sind immer wieder begeistert von der breiten Unterstützung, die wir im unmittelbaren Umfeld hier in Eberswalde und aus der Region erhalten. Das ist ein Schatz, der dazu beträgt, dass wir unsere Arbeit auch nachhaltig fortführen können. Der Verein, die Vereinsmitglieder und Mitarbeiter*innen unterstützen wiederum in der Stadt und auf dem Land, wo es geht und wo sie gebraucht werden und verstehen sich als lebendige Einrichtung mit stets „offenen Türen“.

Über das Hospiz am Drachenkopf
Betreiber der Einrichtung ist der Evangelische Verein "Auf dem Drachenkopf", der bereits 1927 gegründet wurde. Das Hospiz wurde 2004 in der Erich-Mühsam-Straße 17 eingeweihte und bietet Platz für neun Gäste, die dort liebevoll umsorgt Ruhe finden können.
Überdies gehört seit 21 Jahren der ambulante Hospizdienst ( mit 85 ehrenamtlichen Sterbebegleitern) sowie das Palliative Care Team ( ein multiprofessionelles Netzwerk das die häusliche Hospizversorgung in der Region sicher stellt) zum Portfolio des Vereins.
Durch dieses „HospizzuHause“- Team wird im Barnim und der Uckermark pro Jahr etwa 400 Patient*innen durch die Zusammenarbeit speziell ausgebildeter Palliativärzt*innen und Pflegekräfte, ehrenamtlicher Sterbebegleiter*innen sowie hauptamtliche Koordinator*innen eine selbstbestimmte und schmerzfreie Zeit bis zuletzt ermöglicht. Die Betreuung und Stärkung der Angehörigen spielt hierbei stets eine wesentliche Rolle.
Ein weiteres Standbein des Vereins ist der Altbau "Auf dem Drachenkopf", in dem nicht nur die palliativen Dienste verwaltet werden. Eine komplette Etage in dem geschichtsträchtigen Gebäude, das vor 1926 eine Naturheilanstalt beherbergte und ab 1928 als Altenheim fungierte, ist nun von einer Projektgruppe der HNEE „bewohnt“. Ziel ist es, das Haus weiter zu erhalten und eine Nutzung für den Kiez und die Hospizarbeit in all ihren Facetten möglich zu machen.

Weitere Informationen zum Hospiz am Drachenkopf:
www.hospiz-drachenkopf.de

Info

Hospiz am Drachenkopf
Erich-Mühsam-Straße 17
16225 Eberswalde
E-Mail: info(at)hospiz-drachenkopf.de
Telefon: 03334 8193 70